Steh früh auf!
Ich bin kein Morgenmensch mehr. Ich schaffe es nicht, früh aufzustehen. - Dieser Lüge schenkte ich zu viel Glaube. Ich teile, wie ich neue Gewohnheiten entwickelte und an wem wir uns ein Beispiel nehmen können.
5/5/20265 min lesen
Als junger Teenager hatte ich keine Probleme, bis um 2 Uhr in der Nacht auf zu bleiben und am nächsten Morgen um 5:30 Uhr aufstehen für die Schule. Eine Zeit lang war ich sehr ambitioniert mit Sport und hatte noch knapp eine Stunde trainiert, bevor ich aufs Fahrrad stieg und in 20 Minuten lang über einen damals sehr anstrengenden Hügel zur Schule fuhr. Ob meine damaligen Schlafgewohnheiten gesund und vorteilhaft waren, ist ein anderes Thema. Aber wenn ich mein jüngeres Ich um etwas beneide, dann ist es die Fähigkeit, aufzustehen und sofort bereit zu sein für den Tag. Würde man jetzt einen Schnitt machen und zum Anfang des Jahres 2026 zurückdrehen, dann würde man mich in einer frustrierten Lage wiederfinden. Ich versuche es mal zu beschreiben:
Der Wecker klingelt. Es ist nun schon der vierte Wecker. Aber er klingelt nicht einfach so. Nein, er klingelt nun auch schon seit 10 Minuten. Das Ziel war sehr ambitioniert. Um 6 Uhr morgens aufstehen um Stille Zeit zu machen und dann noch meinen Körper zu dehnen. Dann müsste ich noch das Essen für den Arbeitstag vorbereiten. Leider klingelt der Wecker aber schon so lange, dass wenn ich dann endlich aufstehen würde, es mir gerade noch reicht für einen Kaffee und schon muss ich los zur Arbeit. Naja, der Wecker klingelt weiter und endlich schaffe ich es, meine Augen zu öffnen um mit Schrecken festzustellen, dass ich schon fast zu spät dran bin. Ich springe auf, zieh mich an, lege meine Schuhe bereit und höre, wie unser jüngster Sohn anfängt zu weinen. Mein hektisches Getue hat ihn wohl geweckt. Ich gehe zu Amanda, sag ihr dass ich zu spät dran bin aber Ilai weint. Ich zieh die Schuhe an und gehe aus dem Haus. Was für ein Morgen. Leider bleibt es nicht beim Morgen. Denn dieser Stress zieht sich weiter durch den ganzen Tag. Ich komme nicht zur Ruhe und muss nun auch noch Geld ausgeben für das Essen für den ganzen Tag. Ich komme nach nach Hause, bin erschöpft von der Arbeit und möchte mich am liebsten nur noch ausruhen. Aber das geht ja auch nicht. Da sind noch meine Kinder. Und meiner Frau möchte ich auch noch meine Aufmerksamkeit schenken. Ich kämpf mich durch die Müdigkeit durch und gehe endlich ins Bett. Kaum habe ich meine Augen geschlossen, klingelt schon wieder dieser blöde vierte Wecker!
Ich habe den Tag nun mit Humor beschrieben, aber im Moment selbst war es überhaupt nicht lustig. Es war frustrierend. Ich kam zu Nichts. Die Woche verflog und am Wochenende wollte ich nichts unternehmen, da ich mich ausruhen musste. Es war ein Teufelskreis, aus dem ich scheinbar nicht mehr herauskommen konnte. Genau um diesen Zeitpunkt hatte ich Geburtstag. Amanda schenkte mir ein Buch. Das Buch heisst Atomic Habits oder auf Deutsch: Die 1% Methode - Minimale Veränderung, Maximale Wirkung. Und obwohl es schlussendlich nicht das Buch war, das mein Leben veränderte sondern ich die Entscheidung dafür treffen musste, gab das Buch den nötigen Funken und gute Ideen, wie das ganze umgesetzt werden kann. Ein wichtiger Punkt, den ich lernen durfte war, dass neue Gewohnheiten einfach sein müssen, um sie konsequent umsetzen zu können. Ganz zu Beginn hatte ich mir als Ziel gesetzt, jeden Morgen früh aufzustehen um joggen zu gehen. Damit hatte ich mir aber gleich drei Stolpersteine auf den Weg gelegt. Erstens hatte ich schon nur mühe, früh aufzustehen. Deshalb war es schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, noch früher aufzustehen. Zweitens ist joggen zwar eine der einfachsten Möglichkeiten Sport zu treiben, nur hatte ich da nicht meine Hüftprobleme mit eingerechnet. Ich schaffte es einmal an einem Samstagmorgen tatsächlich zu joggen, hatte dafür für den Rest des Wochenendes Schmerzen. Das dritte Problem waren die Worte "jeden Morgen". Ich wollte sozusagen von 0 auf 100 durch eine kleine Entscheidung, rechnete dabei aber weder das Wetter mit ein, noch die Erschöpfung vom Vortag. Das Ziel, die neue Gewohnheit, war einfach nicht einfach genug.
Ich stellte mich der Realität, dass ich mit kleinen Schritten an das ganze herangehen musste. Auch ein weiterer Punkt der im Buch von James Clear beschrieben wird. Nicht grosse Veränderungen auf einmal, sondern kleine Veränderungen, diese dafür aufeinanderfolgend und aufbauend verbinden. So kann man mit wenig Aufwand und über relativ kurze Zeit viel verändern. Und das Beste ist, dass man diese neuen Gewohnheiten dann auch beibehält.
So habe ich mir vorgenommen, dass ich zuerst meine Abendroutine verändere. Anstatt immer irgendwann zu Bett zu gehen und im Bett noch Zeit auf dem Handy zu verbringen, legte ich ab 9 Uhr abends das Handy in die Küche. Anstatt sinnlos Zeit zu verbringen, begann ich, ein Buch zu lesen. Somit hatten meine Augen nun mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen keine Aussetzung zu Blaulicht. Meine Gedanken wurden nicht mehr angeregt und das Schlafengehen wurde somit vereinfacht. Ziel war, dass ich am Morgen dafür besser aufstehen konnte. Und es brauchte etwa eine Woche und ich schaffte es tatsächlich, um 5:30 Uhr wach zu sein. Ich war noch überhaupt nicht produktiv und verlor ziemlich viel Zeit in der ich nichts machte ausser wach zu werden. Aber immerhin war ich auf. Später fing ich an, in dieser frühen Morgenstunde die Bibel zu lesen und meine Stille Zeit zu machen. Danach fügte ich noch dazu, dass ich jeden Morgen meine Gedanken in einem Journal aufschreibe, um das wichtigste und dringendste von meinem Gehirn auf Papier zu bringen. Somit habe ich über den Verlauf von etwa zwei Monaten meinen Alltag komplett verändert. Denn dadurch, dass mein Schlaf besser wurde, verbesserte sich auch der Rest vom Tag. Ich komme wach und bereit zur Arbeit, habe meistens für mein Essen vorgesorgt und am Abend habe ich auch noch genug Energie für meine Familie. Bevor ich zu Bett gehe freue ich mich sogar auf die Zeit für mich, die ich am nächsten Morgen verbringen werde.
Je mehr ich nun morgens aufstehe, je mehr kann ich feststellen was für einen Segen und Kraft in diesen morgendlichen Stunden liegt. Nicht umsonst haben wohl Propheten und Könige in der Bibel den frühen Morgen ausgenutzt, um ihre grossen Taten zu vollbringen. Zum Beispiel Mose, der früh am Morgen zum Pharao ging, um für sein Volk einzustehen(2. Mose 8:16). Oder David, der schon am Morgen früh zu seinen Brüdern aufs Schlachtfeld ging und dort Goliath sah (1. Samuel 17:20). Jesus selbst sogar wurde beschrieben als ein Frühaufsteher:
„Am nächsten Morgen stand Jesus vor Tagesanbruch auf und zog sich an eine einsam gelegene Stelle zurück, um dort allein zu beten.“ (Markus 1:35)
Nicht zu vergessen dass am späten Vorabend Jesus viele Kranke und Besessene geheilt hat. Gerade an ihm sollen wir uns ein Beispiel nehmen. Er stand früh auf und suchte dort eine intime Nähe zu seinem Vater. Man muss sich das mal vorstellen. Jesus kommt vom Himmel herab auf diese Welt und ist den ganzen Tag über weg von seinem himmlischen Zuhause. Aber am Morgen startet er den Tag mit Gebet und Zeit alleine mit seinem Vater. Ich stell mir vor wie als würde er am Morgen auftanken, um dann für den Rest des Tages für alles vorbereitet zu sein.
Wenn nun auch du merkst, dass du noch viel von deinem Morgen verpasst und dein Tag noch nicht so verlauft, wie du es willst, dann ermutige ich dich, fang klein an. Verbessere deine Abendroutine, verbessere deinen Schlaf. Das wichtigste aber: Mach es mit den richtigen Absichten. Suche am Morgen Zeit mit dem Herrn. Ich bin überzeugt, dass der Herr diese Bemühungen dann in Segen umwandeln wird.
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